Start Reiseberichte Von Norden nach Süden mit dem Fahrrad durch Portugal

portugaltop1     1200km mit dem Fahrrad durch Portugal     portugaltop2

( an der Küste entlang von Porto bis Faro)

 

 

Inhaltsverzeichnis:

Porto Figueira da Foz Coimbra Leiria Fatima Sao Pedro do Moel Nazare´

Sintra Lissabon Cabo "Espichel" Portinho da Arrabida Sines

Vila Nova de Milfontes Almograve Zambujeira do Mar Odeceixe Lagos

Cabo "Sao Vincente" Faro Estoi

 

 

 

Vorbemerkungen
Wie kann ich mit geringem finanziellem Aufwand und möglichst ohne die Bequemlichkeiten der Zivilisation zu nutzen, viel erleben ? Damit war also fast eine Radtour durch Portugal geboren. Ein Land, daß sich erst Mitte der 80er Jahre aus den Händen der Diktatoren Salazar-Caetano befreite und sich damit in die Neuzeit kapitulierte - wo treffen sich wohl sonst noch Historie und die kürzere Vergangenheit ? ------

für Fahrradtouristen
Der September ist ein guter Monat für so ein Vorhaben. Im Norden beginnt so langsam der Herbst und man fährt "mit ihm im Rücken" gen Süden. Die Temperaturen sind erträglich und die Straßen sind leerer.
Die Strecke sollte, entgegen allen Warnungen, Vorbehalten, gutgemeinten Radschlägen der Nutzer des Portugalforum, von Porto nach Faro führen, also quasi von Nord nach Süd entlang der Küste.
Hier in D erhältliche Karten zeigten eigentlich nur eine Nationalstraße entlang der Strecke. Durch etwas detailliertere Karten, die ich vor Ort kaufte, liessen sich abschnittsweise kleinere Nebenstraßen erkennen, aber es galt natürlich:
- stark befahrene Straßen
- man ist als Radler (noch) ein Exot
- ca. 2% der Strecke waren mit einem sep. Radweg versehen
- auf der gesamten Strecke traf ich NUR 12 Fahrradtouristen - ABER  Begegnungen, Erlebnisse, Entdeckungen... waren umso schöner !!!
Einen "Zahn" muß man sich als Fahrradtourist gleich ziehen lassen: Das Radeln an der Küste heißt nie: stundenlang flaches Land, keine Anstiege, kein Schieben, gemütliches Dahinrollen......
Die Anreise nach Porto geschah mit dem Flugzeug, die Mitnahme meines Fahrrades war problemlos möglich und kostete nur 20 Euro pro Srecke.

Porto
portoDie Fahrt vom Flughafen zur Jugendherberge ist schon ein kleiner Vorgeschmack. Nur die Auskünfte der Taxifahrer über zu benutzende Straßen und Richtung sind wirklich zuverlässig. Richtung Atlantik und dann immer am Rio Douro entlang, das ist die erste Auskunft. Da ich den Sound der Sprache und die Bedeutung vieler Worte von meiner Brasilienreise "noch im Ohr" hatte, fiel mir das Einstimmen auf die Landessprache nicht schwer.
Nach 1 Stunde ist die Jugendherberge erreicht.
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Die zweitgrößte Stadt des Landes bezeichnet sich als "geheime" Hauptstadt Portugals. Ihr historisches Zentrum um den Ribeirakai gilt als Weltkulturerbe. International ist die Stadt durch seinen Portwein bekannt. Die Kellereien befinden sich im Süden der Stadt gegenüber des Ribeirakais. Von diesem "Südufer" zeigt sich die terassenförmig angelegte Altstadt mit ihren engen Straßen, Gassen, Minibalkons. Auf dem Fluß Douro dümpeln noch einige Portweinschiffe, die aber schon lange ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und nur noch zu touristischen Zwecken vor Anker liegen. Unübersehbar ist die alte, doppelstöckige Brücke über den Douro(s.o.) - oben die U-Bahn, unten der Autoverkehr.
sao-bentoporto1sehenswert: Bahnhof Sao Bento mit seinen Azulejobildern; Kathedrale, Igreja do Carmo, Torre de Clerigo mit gleichnamiger Kirche, Miradouro "Serra do Pilar"...

Vom "Torre de Clerigo" habe ich einen herrlichen Blick über den südlichen Teil der Stadt; vom Miradouro (Aussichtspunkt) "Serra do Pilar" breitet sich die Altstadt mit dem Ribeirakai aus. über viele Treppen erreicht man das Flußufer oder man benutzt den Schrägaufzug nahe der doppelstöckigen Brücke "Ponte de Dom Luis"

porto2Sehr interessant ist es auch, dem Trubel der Stadt zu entfliehen und entlang der Straße "Cais de Gaia" bis zur Atlantikküste und weiter zu radeln, den rauhen Wind zu geniessen, die Nebel-und Sandschwaden, die Richtung Stadt ziehen, zu beobachten, im kalten Wasser zu baden, ......
Angenehm ist mir das Einkaufen in den winzig kleinen "Tante Emma"-Läden. Es gibt dort alles von Wurst, Brot, Obst, Getränken bis zu Seife. Umso freundlicher und zugänglicher sind die Besitzer und es ergaibt sich mancher Plausch, der mit Händen und Füßen "ausgefochten" wird.
Aber 3 Tage Porto müssen reichen und es geht südwärts Richtung Espinho. In der Jugendherberge gab es noch ein paar Tips über die Küstenorte, die ich unbedingt besuchen soll.

Ich benutze einige der teilweise nahe am Meer gelegenen kleineren Straßen abseits der Nationalstraße IC1, muß aber oftmals auf diese zurück.

Endlich komme ich in "Torrao do Lame" an. Der bei der Stadt Ovar beginnende Küstenstreifen wird rechts vom Atlantik, links vom "Ria de Aveiro" bzw. "Canal de Ovar" begrenzt. Ob es wohl an der Spitze d.h.in "Sao Jacinto" eine Übersetzmöglichkeit für die Weiterfahrt gibt ? Beim Geniessen eines Cafezin in einem kleinen Restaurant genügen meine Sprachkenntnisse als man mir sagt, daß es von dort nur eine Fähre gen Aveiro gibt, also ich dort nicht weiterradeln kann.

Mein Entschluß steht fest: Durch den Pinienwald Richtung Strand und eine versteckte Ecke als Nachtlager suchen.

anglerDer Strand ist nahezu menschenleer, eignet sich also gut um unentdeckt die Nacht zu verbringen. Nur ein Fischer flickt seine Netze und ein Angler versucht sein Glück.
Also geht es am nächsten Tag weiter über Ovar, Aveiro, Gafanha de Nazare´ nach Costa Nova um zu baden und um eine weitere Schlafgelegenheit zu finden. Die Dünen sind groß und mächtig, der dahinterliegende Waldsaum vielfach undurchdringlich sodaß die Chancen schlecht stehen. Ausserdem lassen es die Strandwächter nicht zu, daß man sich irgendwie festsetzte. Deshalb weiter bis nach "Praia da Vagueira" wo mich die beginnende, aber nur kurze Dämmerung mahnt, eine geeignete Stelle zu finden.
Der nächste Morgen ist unangenehm: Nebel bis nahezu Mittag, Kühle, regnerisch,....
Nachdem ich mich an einer Tankstelle etwas auf den Tag vorbereiten kann, radele ich weiter über Mira und die N109 entlang bis "Figueira da Foz".

Figueira da Fozpfeil_nach_oben1
figueiradafoz1figueiradafoz2Dieser doch mondäne Badeort hat mitten im Zentrum einen bestimmt 200m tiefen Badestrand.

Ursprünglich war die Stadt nur ein Fischerort. Heute ist die Umgebung von Industrie geprägt, aber Bewohner der nahen Stadt Coimbra "fliehen" vor der Sommerhitze vielfach hierher. Andere Vergnügungen wie das Kasino, div. Clubs, Yachthafen... lassen doch die Preise in die Höhe klettern.
Ich habe mir ein Zimmer für 25 Euro organisieren können, denn eine warme Dusche OHNE Sand ist doch wieder einmal notwendig.
Am nächsten Tag woill ich den ganz westlich der Stadt gelegenen Ponto "Boa Viagem" besuchen, vor allem wegen des fantastischen Blickes auf den Atlantik, habe mir das aber gespart weil der Anstieg zu steil ist und ich auf der Rückstrecke die gleiche schmale Straße benutzen müsste. Ausserdem sieht das Wetter heute nicht sonnig aus.

montemorovelho1Ich mache mich trotzdem auf den Weiterweg über schlechte Nebenstraßen nach Majorca, "Montemor o velho", Alfarelos Richtung Coimbra. Die dicht befahrene, aber mit einem breiten Seitenstreifen versehene N111 verlasse ich, da sie an allen Orten weit vorbeiführt und benutze die gut ausgebaute Nebenstraße N341 südlich des Rio Mondego.


Bald ist Coimbra erreicht, es gelingt mir aber nur unter Benutzung einer Schnellstraße/Autobahn !!! in das Zentrum der Stadt zu gelangen.

Coimbra
coimbra1Coimbra mit seinen 100.000 Einwohnern war die erste Hauptstadt Portugals. Bekannt ist sie sowohl durch seine malerische Altstadt als auch durch ihre eine der ältesten Universitäten Europas. Römische Einflüsse als auch die maurische Vergangenheit kennzeichnen die Altstadt mit engen Gassen und vielen Treppenaufgängen. Die preisgünstigste Übernachtung, zumal für mehrere Tage, war in der Jugendherberge, nicht weit vom Altstadtzentrum entfernt.


Seit Porto habe ich schon 462km in den Beinen.
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coimbra2coimbra3Die Stadtentdeckung geschieht wieder mit dem Fahrrad obwohl die steilen Hänge und engen Straßen, Gassen.... oftmals zum Schieben mahnen. Ein Besuch der großen Markthalle war im Pflichtprogramm denn das Angebot an Fisch, Obst, Gemüse, uvm.
coimbra4coimbra5Die altehrwürdige Universität "thront" über der Stadt und die Altstadt zwischen Bahnhof und"Praca da Republica" sind schon sehenswert.
hochzeitFährt man über den Rio Mondego, sollte man das Kloster "Santa Clara a velha / a nova" besuchen, vielleicht kann man eine port. Hochzeit in der Klosterkirche sehen, mir war es vergönnt. Am nächsten Tag ging es weiter, leider gleich zu Beginn mit 30min. Schieben, da der Anstieg südwärts doch ziemlich steil und die Straße eng und kurvenreich war. Als nächstes Ziel hatte ich mir Leiria ausgesucht.Die Fahrt dorthin war relativ entspannend, da endlich einmal eine längere flache Wegstrecke vor mir lag. Ausserdem liegt Leiria mit seiner Jugendherberge nahe der Stadt Fatima, die der Aussage nach jeder Tourist besucht/besuchen sollte.

Leiria
leiriaDie Stadt bietet wenig besuchenswertes, hat aber mit den Gassen der Altstadt ein gewisses Flair.

Ich hatte mir vorgenommen, in Portugal möglichst viel Fisch zu essen, speziell Bacalhau (Stockfisch) in den verschiedensten Zubereitungsarten. In einem kleinen Restaurant in der Altstadt aß ich Bacalhau com Natas - wirklich empfehlenswert ! Außerdem befindet sich mitten der Stadt ein doch ziemlich hoher Hügel, auf dem sich eine mittelalterliche Festung befindet.
Ein Wort zu den Jugendherbergen in Portugal. Hier in Leiria merkte ich es deutlich: Je kleiner der Ort umso freundlicher wird man aufgenommen, umso mehr kümmert man sich um die Wünsche der Gäste, obwohl der Preis niedrig ist, obwohl aber Qualität der Ausstattung, Ambiente... viel besser sind als in denen der größeren Städte.

Fatima
fatimaDer weltbekannte Wallfahrtsort wirkt auf Gläubige aus der ganzen Welt wie ein Magnet. Mutter Maria soll hier 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein. 1930 erklärte der Papst den Erscheinungsort zur heiligen Stätte. An den jährlichen Wallfahrtstagen drängen sich die Menschen auf dem Kirchvorplatz, der um einiges größer als der Petersplatz in Rom sein dürfte. Momentan ist wesentlich weniger los, aber vor der Madonnenfigur, die hinter Panzerglas seitlich neben dem Kirchvorplatz steht, drängten sich die Pilger.
Ich bin mit dem Bus von Leiria aus gefahren, es ist nur eine kurze Strecke, aber wirklich über schmale Straßen, die es manchmal nicht zulassen, daß sich 2 Busse begegnen, deshalb bin ich auch froh, mir dies mit dem Fahrrad erspart zu haben.
zurück an den Atlantik
zum-atlantik1zum-atlantik2Obwohl die Entfernung zum Atlantik weniger als 100km beträgt, zieht es mich doch wieder dorthin, zumal mich der Badeort Nazare´ lockt. Die Sonne ist heute schon seit 9 Uhr am wolkenlosen Himmel, also los. Es geht erstmal auf dem Seitenstreifen der Nationalstraße bis "Marinha Grande".
Die Straße ist dicht befahren sodaß das Radeln nicht viel Spaß macht; aber Leiria verabschiedet sich mit fantastischen Blicken auf Stadt und Umgebung.
zum-atlantik3Und dann geschieht das Unerwartete: Von "Marinha Grande" über "Sao Pedro do Moel" bis Nazere´ fahre ich auf einem separatem Radweg parallel zu einer neu gebauten oder sanierten Straße.
Die Sonne scheint und kein Wölkchen trübt den Himmel.

Sao Pedro do Moelpfeil_nach_oben1

pedrodomoel2Aber kaum bin ich in der Nähe des Atlantik-schon ziehen immer wieder Nebelschwaden vom Meer her über einen Streifen von ca. 500m ins Land ehe sie sich auflösen --wie hier bei "Sao Pedro do Moel". Die ganze nachfolgende Strecke gibt es immer wieder sonnige Abschnitte die sich mit dichten Nebelschwaden abwechseln. Die Straße ist ungewohnt leer - aber kein Wunder, die Saison ist ja schon vorbei. "Sao Pedro do Moel" ist typisch für die Küstenorte. Eigentlich kleine Fischerdörfer wandeln sich zu Ferien- bzw. Wochenendsiedlungen, die meisten Häuschen stehen hier schon im September komplett leer.

Nazare´
nazare0nazare4Nazare´ ist besuchenswert. Zum Ort führt eine enge Straße immer abwärts. Wohl dem, der erstmal "oben" bleibt und entlang der den Ort im Norden begrenzenden imposanten Kalksteinklippe bis an die Spitze in den Ortsteil Sito fährt. Man hat von dort aus herrliche Sicht von der bis zu 100m hohen Klippe auf den Atlantik und auf den Ort mit seiner Bucht. Ausserdem sollte man die Kirche "Nossa Senhora da Nazare´" mit ihren wunderschönen Azulejos besichtigen und frische getrocknete Früchte von den Frauen dort in Nationaltracht erwerben.
Nazare´ war einstmals ein kleines Fischerdorf, entwickelte sich aber aufgrund seiner Lage zu einem in der Saison überlaufenen Touristenzentrum. Aber in der Nachsaison ist es sehr beschaulich.
nazare2nazare3Der Tag ist noch nicht zu weit fortgeschritten, also weiter. Ich fahre den Hang nicht hinauf sondern die Straße durch Nazare´führte weiter nur etwas höher gelegen am Fischereihafen vorbei.Weiter geht es im ständigen Auf und Ab an der Küste entlang.

Die Strecke über "Sao Marinho do Porto" nach Obidos wird immer wieder durch neblige Abschnitte unterbrochen.
Erst in Obidos, das wenige Kilometer landeinwärts liegt, kommt die Sonne wieder zu voll ihrem Recht.
Obidos wurde im Reiseführer als teuer deklariert, aber viele Hotels und die Touristeninformation sind geschlossen. Also weiter zum "Lagoa de Obidos", einem Lagunensee mit einem offenen Zugang zum Atlantik und nahebei.

nachtlagerEs wird langsam dunkel sodaß ich mir in der Nähe des Fischerstrandes dort mein Nachtlager suche.
In der Nähe von Hütten, in denen Fischer ihr Handwerkszeug aufbewahren, findet sich bald etwas geeignetes.

Am nächsten Morgen werde ich zeitig durch die Fischer geweckt weil sie ihre Boote klar zum Fang machen, sich aber nicht um mich kümmern.


Nach einem kurzen Frühstück aus der Tasche geht es weiter in die "Serra d´El Rei" Richtung Peniche, welches aber nicht viel sehenswertes zu bieten hat sodaß ich kurz vorher Richtung Lourinha abbiege. Es ist jetzt schon Mittag und der Nebel hat sich verzogen.

Die Sonne hat sich aber schon versteckt und ein unangenehmer Dauerregen setzt ein. Ich muß das Suchen der kleineren Küstenstraßen aufgeben, auch weil ich dort keine Übernachtungsmöglichkeiten sehe, nahezu alle Häuschen sind verschlossen, bzw. die Rollläden heruntergelassen und das Tor zu.
Ich vermutete das dies alles mehr oder weniger Ferien-Urlaubsunterkünfte waren.
So bleibt nur die Nationalstraße Richtung Mafra.
Der Regen weitet sich zum Dauerregen aus, es wird auch recht kühl.

ericeira1ericeira2So langsam nähere ich mich dem Speckgürtel von Lissabon, was sich auch an den von außen teuer aussehenden Hotels und Ferienhäusern zeigt.
Das Auf und Ab der Straße nimmt kein Ende, vor allem bei Ericeira ist es bei diesem Regen unangenehm sodaß ich sogar mehr und mehr mein Fahrrad schiebe. Alle Fotos an diesem Tag entstehen in den wenigen Regenpausen oder bei Nieselregen. Mehr und mehr spüre ich auch einen unangenehm stark wehenden Gegenwind.

Jugendherbergen gibt es in dieser Gegend nicht sodaß ich mich mehr auf Sintra konzentriere. Dort kenne ich die Adresse einer Ferienunterkunft. Außerdem wird es bereits langsam dunkel als ich in Sintra ankomme.

Heute sind es 115 km, davon 80km im Regen.

Sintra
sintra1sintra2Gleich zu Beginn: Sintra und Umgebung sind eine eigene Reise wert. Anziehungspunkte sind sowohl der Königspalast, aber auch die herrlich bewaldete Umgebung mit kleinen Schlösschen, stilvollen Villen und prächtigen Landsitzen. Zu Vorzeiten zogen sich die königliche Familie und der Adel vor allem in den Sommermonaten vor der unerträglichen Hitze in Lissabon in die kühlen Sintraberge zurück. Auch heute noch leben in den Prachtvillen der Berge wohlhabende Familien. Die Attraktion schlechthin ist der Königspalast mit seinen zwei kegelförmigen Kaminen, die die Schornsteine der Palastküche waren. In der näherem Umgebung sind die Maurenburg und der Pena-Palast besuchenswert. Von der Maurenburg, die auf einem steilen Abhang liegt, hat man einen grandiosen Ausblick auf Sintra und Umgebung.
All das muß ich mir aber diesmal ersparen weil die Übernachtungspreise in Sintra für mich einfach zu hoch waren. Nur diese eine Nacht und aufgrund der gestrigen Regentour hatte ich ein Quartier neben dem Casa "Miradouro", aber bestimmt ebenso schön, für 45 Euro bezogen.
Das Küstenvorland der Serra de Sintra ist unbedingt nicht nur einen Abstecher wert. "Praia das Macas" und "Azenhas do Mar" bieten Strandgenuß pur und "Azenhas do Mar" liegt malerisch auf einer steilen, hohen Klippe.
Um nicht durch die "Serra de Sintra" mit seinem bergauf-bergab radeln zu müssen, folge ich dem Rat der Besitzerin des Casa und schiebe mein Rad etwa 2 km bergan (12%-15% Steigung) und befinde mich somit auf dem Plateau und es geht leicht bergab die Nationalstraße N6-8 entlang bis Cascais. Damit habe ich natürlich erstmal "Cabo da Roca", den westlichsten Punkt Europas verpaßt, aber Lissabon is mein vorrangiges Ziel.
cascaisBei Cascais muß ich nahezu 90grad nach links weiterradeln denn ich bin am Atlantik bzw. im größeren Mündungsbereich des Rio Tejo. Es geht dann noch kilometerlang die N6 immer am  Tejo entlang. Eigentlich ist dieser Bereich bis Lissabon eine einzige Stadt. Der Straßenverkehr is eigentlich so daß man kein Rad benutzen sollte aber......



Lissabonpfeil_nach_oben1
lissabon1Wichtig ist mir erst die Quartiersuche, da das Wochenende vor der Tür steht. Auf der Suche nach der ersten von 2 Jugendherbergen mußte ich immer am Tejo entlang, am hist. Zentrum vorbei bis zum "Parque das Nacoes", dem Areal der Weltausstellung 1997.  Hier dominieren futuristische Bauten, Vergnügungs-und Erholungsbereiche,  ein übergroßes Einkaufszentrum, aber noch nicht das größte.
• Pousada de Juventude-Parque de Nacoes  Rua de Moscavide 47
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Wie vermutet, das Wochenende ist dort belegt, nur noch frei bis morgen=bis Samstag. Es besteht keine Möglichkeit, von offizieller Seite nachzufragen ob die andere Herberge noch freie Plätz hat d.h. m.E. sind die Leute an der Rezeption nicht willens, nachzufragen. Freundlichkeit, Auskunftsbereitschaft... lassen sowieso viel zu wünschen übrig.


Der Tag ist schon weit fortgeschritten sodaß nur noch Zeit für den Kauf eines 5-Tage-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel (nur 13,70 Euro) und eine kurze Tour mit der U-Bahn zum Kennenlernen übrig bleiben. Sowohl Austattung der U-Bahnstationen als auch die Züge erinnerten mich sehr an die U-Bahn in Rio de Janeiro. Aber kein Wunder, die Portugiesen haben die in Brasilien sicherlich geplant und gebaut. Am nächsten Morgen: frühstücken und auf zur Suche nach der anderen Jugendherberge...
• Pousada de Juventude  Rua Andre Corvo 46  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.   tel: 351 21 353 262 96
So radelte ich 1,5 Stunden doch durch manchmal dichten Straßenverkehr, es war aber unproblematisch. Nachdem ich mich aber 1x verfahren habe, verlasse ich mich mehr und mehr auf Auskünfte von Taxifahrern zumal viele Lissaboner oftmals ganz ungläubig auf den Stadtplan schauen. Von den Taxifahrern wurde ich immer wieder bewundernd begrüßt und in ein Gespräch nach dem Woher, Wohin, Warum gefragt. Wie schon vermutet: diese Jugendherberge ist auch übers Wochenende ausgebucht !!!

Ich werde an die ganz in der Nähe befindliche "Residencial Marisela"weitervermittelt. Über die 5 Tage gerechnet habe ich dort nicht mehr bezahlt als in der Jugendherberge, das Frühstück fehlte natürlich, die Qualität ist wesentlich schlechter (6 Betten auf ca. 25 m²)... aber es reicht. - Die Tage in Lissabon sind gerettet- also zu Fuß auf zur Stadterkundung.

lissabon2lissabon3Es ist für mich eigentlich die erste Großstadt mit eine jahrhundertelangen Vergangenheit, die deutlich zu sehen ist. Was ist geeigneter als zum Überblick die legendäre Straßenbahn (electrico) NR.28 quer durch die Altstadt zu benutzen ? Hügelauf-hügelab quält sie sich durch die engen Straßen, vorbei an prachtvollen Bauten aus der Vergangenheit - ein MUß für jeden Besucher und ständig voll besetzt. Mit herabgelassenen bzw. fehlenden Seitenscheiben fühlt man sich voll im Geschehen und auf Tuchfühlung mit den Fußgängern.
lissabon4lissabon5lissabon6
Faszinierend ist die Sicht auf weite Teilbereiche der Stadt von der über alles thronenden Burg "Castelo de Sao Jorge":
- westwärts mit der Autobahnbrücke über den Tejo und  nach Alcantara
- ostwärts in die Alfama

lissabon7lissabon8lissabon9Gleiche herrliche Ausblicke ergeben sich von den verschiedenen Aussichtspunkten (miradouros) aus.
Die Unterstadt (Baixa) befindet sich auf Flußhöhe und der Weg in die "Bairro alto" ist nicht weit, aber beschwerlich da doch einige Höhenmeter zu überwinden sind. aus diesem Grund gibt es mehrere Elevador mit deren Hilfe diese Strecke leicht überwunden werden kann. Auch von deren Top ergibt sich eine herrliche Sicht über die Stadt.
Die Kirchen "Igreja de Se´", "Igreja da Graca", "Igreja da Estrela", die Prachtstraße "Avenida da Liberdade", das Prachttor am "Praca do Comercio", das Denkmal des "Marques de Pombal", der "Praca dos Restauradores" waren alle im Besuchsprogramm.

jeronimostorreaequadukt
Nicht fehlen durften natürlich

• das Kloster "Monsteiro dos Jeronimos",

• das "Torre de Belem",

• das alte Äquadukt u.vm.

Die Stadt bietet soviel zum Entdecken und Anschauen, die Zeit reichte gar nicht. Natürlich besuche ich auch die Orte, wo die moderneren Wohnbauten stehen, wo viel Lissaboner shoppen gehen, wo man günstig essen kann.....Die Stadt ist voller Leben. Aber die Zeit des Abschieds ist gekommen, ich sehne mich nach Fahrrad, Ruhe, Atlantik....

Ade´ Lissabon
lissabon11lissabon12Der herrliche Morgen in der Fähre über den Tejo nach Barreiro und die leere Straße ab Coina ließen mein Radlerherz doch wieder höher schlagen. Durch kleine Dörfer radele ich in Richtung Sesimbra.
Da ich den "Cabo Roca", den westlichsten Punkt Europas" sozusagen verpaßt habe, lasse ich mir den "Cabo Espichel" natürlich nicht entgehen.

Cabo Espichelpfeil_nach_oben1
espichel1espichel2espichel3
Mindestens ab dem Dorf Azoia sieht man die dürftige Kapvegetation wo sicherlich nur die genügsamen Schafe noch etwas zu fressen finden. Typisch sind die in den Atlantik vorspringenden Felssporne. Es gibt hier einen Kirchenbau aus dem 17. Jahrh., die "Santuario Nossa Senhora do Cabo". Der lange Gebäudetrakt neben der Kirche enthielt einfache Wohnungen für ärmere Familien, angelegt von den Pilgern, die diese Stätte besuchten.
Die Aussicht ist berauschend: Gen Norden blickt man auf den langen Dünenstrand der "Costa do Sol", südlich kann man einen Leuchtturm erblicken.

Serra da Arrabida / Portinho da Arrabida
arrabida1Über Azioa - Zambuja de Cima - Santana und die Nebenstraße Richtung Calhariz habe ich mir sicherlich einen Teil der Anstiege in die "Serra da Arrabida" erspart, auch war es eine willkommene Abkürzung. Die Serra ist ein von West nach Ost verlaufener Bergzug, der quasi aus dem flachen Land schnell bis zu 500m ansteigt. Das ganze Gebiet ist ein Naturschutzpark. In Calhariz, das aus nur wenigen Häusern besteht, wäre ich fast das Opfer eines großen Hundes geworden, weil ich mich unberechtigt in seinem Revier befand; nur gut, daß der Besitzer rechtzeitig um die Ecke kam.
Ich kann 2 Strecken benutzen um längs des Gebirges zu fahren:
- die Höhenstraße verwenden, mit einem herrlichen Blick auf Setubal und die  Halbinsel Troia
- Die unterhalb der Serra verlaufende Straße, auch Richtung Setubal

arrabida3Ich wähle die zweite Variante um dann die Stichstraße in Richtung der Bucht "Portinho da Arrabida" zu benutzen. Zwangspausen zum Abkühlen der Felgen und Bremsgummis sind ab und an notwendig. Überhaupt war es  der steilste Abstieg auf der gesamten Strecke. Der Blick auf die Bucht mit den Segelbooten, der nahezu leere Strand, das herrliche Wetter.... verhießen mir ein Bade-und Ausruhvergnügen seltener Güte. Leider konnte ich hier keine längere Station machen da das fehlende Trinkwasser und fehlende Einkaufsmöglichkeiten mahnen
mich, Setubal zu erreichen.
arrabida2Also fast den gesamten Anstieg wieder hoch, aber nur mit Schieben, dann ab der Kreuzung noch ca. 20km bis Setubal. In der Ferne sehe ich schon ab und zu die Halbinsel Troia, wo es morgen weiter gen Süden gehen sollte. Die Stadt besitzt eine ganz reizende Jugendherberge, hat aber außer Hafen, Werft und einigen Industrieansiedlungen nichts weiter zu bieten.
Am nächsten Morgen verlegte ich mein Frühstück bei herrlichem Wetter auf den breiten Mittelstreifen einer großen Straße. Das kleine Cafe dort ist schon 9 Uhr fast voll besetzt mit ununterbrochen schwatzenden Frauen und Männern.

troiaDie Überfahrt mit der Fähre nach der Halbinsel Troia dauerte nur kurze Zeit und gleich nach dem Städtchen begann eine ca. 45km lange flache Straße nach Süden mit wenig Autoverkehr. Der Blick nach rechts zeigte karg bewachsenen Sandboden, am Ende versperrt eine hohe Düne die Aussicht auf den Atlantik, links hatte ich immer Aussicht über den "Rio Sado" bei Ebbe. Es sind bestimmt 30km bis zum nächsten Anwesen, dem Strand "Praia de Comporta", breiter Strand, schöner Sand, hohe Wellen, sauber, kaum Menschen...
praiapogoDen "Praia Pogo" bei Carvalhal habe ich auch über eine Stichstraße erreicht, in meiner Erinnerung sind mir  noch ein Feld mit unzähligen Störchen und ein Feigenbaum ohne !!! Zaun rundum, dessen reife Früchte ich reichlich genoß. über "Casa Branca", Melides, "Lagoa de Santo Andre" wollte ich Sines erreichen, was mir aber erst mit nahe beginnender Dunkelheit gelang. Bis zum heutigen Nachtlager südlich von Sines nahe "Praia de Morgavel" sind es 116km.

Sines
sines1Sines wurde zum in den 70er Jahren zum Ölhafen auserkoren. Große Hafenanlagen und Tanks, ein Kraftwerk außerhalb der Stadt u.a. erinnern immer wieder daran. Der Ort hat eigentlich eine lange Vergangenheit. u.a. durch den Seefahrer Vasco da Gama. Er wurde als Sohn des Burgvogtes hier im 15.Jahrhundert geboren. Die weiteren Sehenwürdigkeiten der Stadt sind kaum der Rede wert. Der stadtnahe Strand "Praia Vasco da Gama" war mir fürs  Übernachten ungeeignet, also fahre die Straße weiter.
sines2sines3Bald erreichte ich den Strand "Praia de Mongravel" und die Abgeschiedenheit der Gegend erlaubt es mir, hinter der Düne meinen Schlafsack auszubreiten. Der unebene Boden, verbunden mit den störrischen Bewuchs, verheißt eigentlich keine ruhige Nacht, aber die beginnende Dunkelheit und ein stimmungsvoller Sonnenuntergang haben mich doch umgestimmt. Ich schlafe mit Unterbrechungen bis 7.45 Uhr am nächsten Tag, wachte dann auf - diesig und ein kühler Wind. Habe mich mit dem Packen beeilen müssen denn es fing an zu tröpfeln. der Wind vom Atlantik blies immer stärker, natürlich als Gegenwind. Da es keine Unterstellmöglichkeit gab, musste ich losradeln und auf Glück hoffen um etwas zu finden. Ein paar Kilometer weiter, schon bei heftigem Regen entdecke ich ein Restaurant : geschlossen ! Gegenüber war noch ein anderes Restaurant: auch geschlossen ! aber mit einem Vordach. Die besteht aber aus Schilfmatten, nur zum Schutz vor der Sonne. Schließlich drängele ich mich in den etwas vorspringenden Hauseingang un muß dort ca. 3 Stunden ausharren bis sich Wind und Regen langsam verziehen. Eigentlich ist der Atlantik keine 200m entfernt, aber manchmal kann ich ihn wegen des Regens und der Diesigkeit nicht mehr sehen. Das Tosen der Brandung hört sich manchmal an wie wenn ein Güterzug über eine Eisenbrücke fährt.

Es dauere danach auch keine 10min. bis die Sonne die Herrschaft wiedergewinnt. Der Wetterbericht meldet: ein kleines Sturmtief von den Azoren. Ich radele dann so naß wie ich war weiter bis "Porto Covo", einem mittleren Badeort, wo alles ganz beschaulich zuging und trocknet mich in einem Cafe.

Vila Nova de Milfontes
milfontes1milfontes2Von Porto Novo zurück an die IC4, dann diese entlang über Cercal erreiche ich über die N390 "Vila Nova de Milfontes". Ein angenehm sauberes Dörfchen, mit herrlichen, weiß gestrichenen Häusern und einer kleinen Kirche... erhebt sich über der Steilküste.
Die Strände sind ein wahres Sandmeer. Hier ist immer genügend Platz. Seit einigen Jahren hat die Bautätigkeit erheblich zugenommen, Ursache sind die Zunahme des Touristenaufkommens. Der Ort ist jetzt eine Touristenhochburg der Portugiesen. Hier habe ich aber eigentlich nur meine restlichen Klamotten getrocknet denn zur Zeit, nach dem Regen, ist mir nicht mehr nach eine Nacht am Strand.

Almograve
Eine Stichstraße führt nach Almograve, das hinter einem hohen Dünenzug  mit dem Strand "Praia Grande" liegt. Die Jugendherberge ist ausgezeichnet und eine Wohltat nach dem letzten Tag. Der Ort ist mit Milfontes überhaupt nicht zu vergleichen, denn es ist viel kleiner, die meisten Ferienhäuser sind schon verrammelt, es ist ruhig und beschaulich.
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almograveSicherlich schon 100m vor dem Strand brechen sich die Wellen an den im Wasser befindlichen Felsnadeln. Daher ist ein Gischtschleier in der Luft, die Sonne ist manchmal nur durch diesen Schleier zu sehen und fotografieren ist auf Grund dessen auch nicht so leicht. Das Tosen der Brandung ist bis in den Ort hinein zu hören. Aber hier kann man herrlich die Seele baumeln lassen.

Zambujeira do Mar
zambujeira1zambujeira2Nachdem Ich die Juhe in Almograve verlassen habe, geht es über kleine Küstenstraßen zu diesem Ort. Zum Strand am Ort gelange ich nur über Treppen die die Steilklippe hinunterführen. Die Wellen tosen und die Blicke auf Strand und Meer sind unvergleichlich. Der Ort ist ruhig und beschaulich und ich gönne mir wieder mal Bacalhau. Ich sitzt herrlich draußen, genieße die Sonne, die Ruhe und nach dem Essen einen Cafezin.

weiter gen Süden
korkeicheWieder unterwegs fahre ich durch einen größeren Wald und "meine Nase trat in Aktion". Es roch wie aus Omas Medizinschränkchen. Eukalypusbäume-früchte verströmten ihren Duft. Das erstemal begegneten mir Korkeichen, die sehr interessant mit ihrem geschälten/ungeschälten Stammbereichen aussehen, zumal wenn man dann bedenkt daß sie erst nach ca. 9 Jahren wieder geschält werden können. Viele eindrucksvolle Blicke ins Land, zu den portugaltypischen Mühlen, von denen viele zu Wohnungen umgebaut wurden, einige aber auch noch gemäß ihrer Bestimmung arbeiten, sind immer noch in meiner Erinnerung.

Odeceixe / Praia de Odeceixepfeil_nach_oben1

Gleich vorweg: diese beiden Orte sind und bleiben in meiner tieferen Erinnerung. Durch Freunde aus den Jugendherbergen auf diese idyllischen Plätze aufmerksam gemacht, war ich voller Spannung wie das in Natura aussehen würde. Odeceixe liegt an der Straße N120, die hinter dem Ort gleich wieder auf eine beträchtliche Höhe ansteigt. Mitten im Dorf eine Mühle auf einer Anhebung, alles überragend.
odeceixe2Aber erstmal durch das Dorf und die Stichstraße weiter in Richtung Praia. Es geht ein ca. 200m breites Tal ca. 4km entlang, aus dem Landesinneren fließt das Flüßchen "Ribeira de Seixe" in sanften Windungen der Meer entgegen. Vorn, auf dem Klippenplateau befinden sich einige Häusschen, die auch Zimmer vermieten (in der Nachsaison ca. 25 Euro p.P.). Zu Fuß geht es über Treppen hinunter. Ein schöner, ungewöhnlich breiter Sandstrand zwischen Atlantik und Flußufer lädt ein.
Faszinieren ist der Wechsel Ebbe/Flut. Beeindruckend - bei Flut ist vom Strand nicht mehr viel zu sehen. Ganz anders bei Ebbe: Der Fluß hat nahezu keine Verbindung mehr zum Meer und der Strand zeigt sich in ganzer Pracht. Das andere Ufer des Flußes bietet sich zum übernachten an. Wie immer muß ich ca. 20.30 Uhr mein Nachtlager bezugsfertig haben denn die Dämmerung ist nur kurz. Aber diesmal vertreibe ich mir mit einer guten Flasche Wein die Zeit am nahen Flußufer. Nachts wachte ich um 4Uhr auf: Blick zum Himmel-aha, die Sterne waren zu sehen-weiterschlafen.
Ca. 5.30Uhr uhr wieder aufgewacht-wo sind denn jetzt die Sterne ? aufstehen, packen, losradeln zum 4 km entfernten Dorf-alles in Eile in Anbetracht der vergangenen Regenerlebnisse. Und wie wahr, auf dem Weg zum Dorf fäng es an zu regnen.

odeceixe3odeceixe1Aber diesmal finde ich im Dorf eine richtige Unterstellmöglichkeit für das Rad und für mich. Der Regen ist kein Dauerregen und ich kann auf einer sozusagen auf "nächtlicher Tour" das Dorf entdecken. Das beginnende Hellerwerden, die Beleuchtung des Dorfes, vor allem der alles überragenden Mühle und die verschiedensten Schnarchlaute aus den meist niedrigen Häusern lassen mir die Zeit nicht lang werden ehe 7Uhr das erste Cafe öffnet und ich mein Frühstück geniessen kann. Ich entdecke sogar einen Backofen am Straßenrand wo die Einwohner Feuer zu Backen gemacht haben, es war aber gerade niemand zum Fragen dort.

Lagos
Ich will etwas länger die Algarve von West bis Ost entdecken, deshalb habe auf die Strände Arrifana und Carrapateira verzichten müssen und bin direkt nach Lagos geradelt. Nach Odeceixe geht es gleich hart los. ca. 2km mit 10% Steigung, ich habe viel schieben müssen denn es war eng und kurvig. "Oben" wehte ein kühler Wind sodaß ich mir sogar etwas überziehen muss. Bergauf Bergab aber mit steigender Tendenz nach unten. Ich bin ein bißchen ausgebrannt, deshalb tut mir dies gut, auch daß es etwas kühl ist und die Sonne nicht so toll brennt. Kurz hinter Alfambra roll es lange bergab ehe es vor Lagos wieder etws welliger wurde. Der Temperaturanstieg ist merklich und ich atmete auf.
lagos0Die Gegend ist überall bebaut, landestypische Dörfchen, Gästeunterkünfte, Appartementbereiche, Hotels, Golfanlagen... wechseln sich ab.
lagos1Die Jugendherberge in Lagos hat  erst ab dem nächsten Tag freie Plätze sodaß ich für diese eine Nacht ein Privatzimmer beziehe. War diese Stadt früher als Handelsstützpunkt von Bedeutung, hat heute der Tourismus diese Stelle übernommen. Wer Ruhe und Genuß sucht, ist hier fehl am Platz. In der Saison ist vor allem die Altstadt ein betriebsamer Rummelplatz. sehenswert sind der Hafen, mit seiner doch großen Marina, die Festung "Ponta da Bandeira", die guterhaltene Teil der alten Stadtmauer, die beiden Kirchen, der Leuchtturm "Ponta da Piedade". Dennoch ist Lagos anziehend. Das mag auch am historisch gewachsenen Stadtkern liegen, dessen verwinkelte Gassen einen bestimmten 
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lagos3lagos2Auf dem Weg zum Leuchtturm fahre ich u.a. an den Stränden "Dona Ana" und "Do Camilo" vorbei und bin fasziniert von der Landschaft und der wild zerklüfteten Küste. Am Leuchtturm kann man mittels Booten die Grotten vom Wasser aus besuchen.
lagos4lagos5Lagos bildet so etwas wie eine Scheide. Von den wild zerklüfteten Klippen, die schon westlich am "Cabo Sao Vincente" beginnen bis östlich der Stadt dann mit breiten, flachen Sandstränden....

Cabo Sao Vincente
Der südwestlichste Zipfel Europas ist ein heimlicher Wunsch von mir. Nach einem Frühstück unter Palmen im Innenhof der Jugendherberge geht  es los. Zum Kap und zurück sind es ca. 100km. Ich radle erstmal zum Kap um dann auf dem Rückweg an den jeweiligen Orten Stop zu machen. Die breite und nicht dicht befahrene N125 entlang über "Vila do Bispo", dann die N268 bis Sagres und danach die letzten 6km bis zum Kap. Es fährt kein Bus. Mindestens diese 6km haben einige Wanderer bei glühender Sonne zurücklegen müssen.
saovincente1saovincente3saovincente2Steile Klippen bis zu 50m hoch, karge Vegetation, Sonne, Wolken, Nebelbänke uvm. prägen hier Landschaft und Wetter. Faszinierend ! Ich habe sogar einige Angler , die auf den hohen Klippen kurz vor dem Abgrund stehen, bei ihrer Freizeitbeschäftigung beobachten. Auuserdem gibt es dort einen Ort mit einem stilisierten Fahrrad als "Denkmal".
Darunter eine Tafel: 0km !(in Worten: Kilometerpunkt Null) Ein Foto dort mit mir und dem Fahrrad ist natürlich ein "Muß" !


surfparadiesZurück geht es über "Praia do Beliche" einem wahren Surfparadies, Sagres, Vila do Bispo und ab Budens über kleine Nebenstraßen nach Salerna, Burgau, Lux, Lagos. Jeder dieser Orte und Strände hat seinen eigenen Reiz und ich habe diesen Tag genossen.
 

ab nach Faro
Die letzten Tage sind angebrochen und Faro "ruft". Die einzige Chance sind die vielbefahrene N125 oder der Zug. Aber der Ehrgeiz läßt mich doch die Straße benutzen. Über Portimao, Albufeira habe ich nach 120km Faro erreicht. Diese Strecke zeigt mir viel von der touristischen Algarve, von dem , was in den Reisebroschüren angeboten wird. Hotels, viele Golfplätze uvm. um den Touristen all das zu bieten was sie zum Geldausgeben und amüsieren brauchen, findet man hier.

Ich besuche natürlich den Strand bei Quarteira - sauber, Liegen, Sonnenschutz, Restaurant, in der Nachsaison kaum Besucher...so kann ich mir natürlich auch einen Urlaub vorstellen, nur mom. nicht für mich.

aufnachfaroNur um mir nochmal vor Augen zu führen, was ich alles schönes erlebt habe, besuchte ich Albufeira für ein Foto zur Abschreckung. Menschenmassen in dem kleinen Ort, Bettenburgen rundherum, ein dicht bevölkerter Strand, Restaurants dicht an dicht und Touristenrummel in den Straßen... nichts für mich.

Faro
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faro1Die Stadt ist ja eigentlich nur bekannt durch den Flughafen. Die hier ankommenden Touristen fahren meist sofort weiter in die anderen Städte der Algarve. Doch ist Faro mehr als nur ein paar Stunden wert. Vor der Stadt liegt eine großflächige Watt-und Marschlandschaft mit einem Gewirr von Prielen und grünen Inselchen. Die Flut setzt diese Flecken immer wieder unter Wasser. Das ist der Lebensraum Vieler Wasser-und Zugvögel. Muscheln, Fische und Krebse finden ein ideales Revier. Der Stadtstrand auf der "Ilha de Faro" liegt etwas außerhalb der Stadt und ist mit dem Bus zu erreichen.
Die Anfänge von Faro gehen auf ein Fischerdorf zurück, aus dem später eine Handelsniederlassung der Phönizier und später der Griechen wurde. das große Erdbeben 1755 zerstörte die Stadt und sie wurde danach nahezu komplett wieder aufgebaut. Sehenswert sind die Kirche "Misericordia", der historische Stadtteil, dort die Kathedrale "Se" u.a. aber besonders die Kirche "Igreja de Sao Lourenco de Matos" im Dorf Almancil. Das Kircheninnere ist fast vollständig mit den blauen Kacheln (Azulejos) ausgekleidet.
Angedacht hatte ich noch einige Ausflüge von Faro aus, u.a. Richtung Spanien usw. aber es blieb nur noch Zeit für Estoi.

Estoi
Über Olhao, einer Kleinstadt gen Osten führt die Straße kurz nach Norden gen Estoi, schon am Abhang der "Serra de Monte Figo" gelegen.

estoiAm steilen Hang liegt der "Palacio de Estoi", der Palast des Grafen von Estoi. Der Palast wirkt wie ein italienischer Palazzo und ist einzigartig in dieser Gegend. Es ist aber nur der ihn umgenbende Park zu besichtigen. Die Aufgänge zum Palast und anderes rundum sind mit Kacheldecors verkleidet. Leider sieht jetzt alles etwas trostlos aus denn derUmbau und die damit verbundene Renovierung läßt auf sich warten, der Zerfall schreitet aber unaufhaltsam voran.   
Ganz nebenbei: Das sich so langsam Fortbewegen wie mit dem Fahrrad bringt noch weitere Vorteile. Gerade an der Algarve habe ich mindestens jeden Tag Feigen-Granatäpfelbäume ohne Gartenzaun rundum gefunden, und das ohne zielgerichtetes Suchen. Im Herbst sind diese Früchte schön reif und warteten eigentlich nur darauf, gepflückt zu werden.

Fazit
Von Porto bis Faro waren es insgesamt 1600 Kilometer. Sicherlich ist die für Radfahrer nicht vorhandene Infrastruktur, das fehlende Verständnis für den Radtourismus und-und-und nicht jedermanns Sache und ich kann aus diesen Gründen diese Reise auch nicht ohne diese Bemerkungen weiterempfehlen, aber für mich war es richtig und ein Abenteuer. Die Nachsaison ist ab
September gut geeignet da der Straßenverkehr und der Tourismus allgemein sich doch auf die Hauptreisezeit bis August konzentrieren. Nur das nächstemal nehme ich wenigstens ein Zelt mit!pfeil_nach_oben1